Großes Interesse für die Buchpräsentation von Maria Meurer

Lob und Dank für Erinnerungsarbeit an die Westerburger JudenWesterburg Meurer Buchvorstellung 11 2019.02 v1
 

Großen Anklang fand die Buchpräsentation „Verfolgt – Vertrieben – Vernichtet – Die Lebensgeschichten von 140 jüdischen Opfern des Naziregimes“ von Maria Meurer, zu der am vergangenen Freitag rund 250 Besucher in die Aula der Berufsbildenden Schule (BBS) Westerburg gekommen waren. Zu den Ehrengästen zählte auch die letzte Überlebende der

einstigen jüdischen Gemeinde, Dr. Ruth Ullmann-Paige, die im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern in die USA ausgewandert war. Die 84-Jährige, die von Sohn und Schwiegertochter begleitet wurde, wohnt heute in Seattle (USA). Nach ihrer Auswanderung im Alter von drei Jahren war sie jetzt zum ersten Mal wieder in Deutschland. Dabei nutzte sie die Gelegenheit, neben ihrer alten Heimatstadt Westerburg auch ihre Geburtsstadt Montabaur zu besuchen.

    Empfang im Rathaus
Ebenso wie einige Nachfahren der damaligen jüdischen Mitbürger war auch sie am frühen Abend von Westerburgs Stadtbürgermeister Janick Pape und dem Ersten Beigeordneten Herbert Schmitz im Rathaus im Rahmen eines Sektempfangs begrüßt worden. Dazu zählten auch Gäste aus Brasilien, England, Schottland und den Niederlanden. Gekommen waren aber auch VG-Bürgermeister Markus Hof sowie Dieter Kaiser und Burkhard Peschke von der Geschichtswerkstatt Westerburg.
  
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Am vergangenen Freitag fand in der Aula der BBS Westerburg die Buchpräsentation von Maria Meurer (4. v. re) statt, die großen Anklang fand.
 
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Zu den Ehrengästen zählten auch Nachfahren und die letzte Überlebende der jüdischen Gemeinde Westerburg.

Im Anschluss an die Buchpräsentation in der BBS nutzten die angereisten Ehrengäste die Gelegenheit, Maria Meurer ihren besonderen Dank auszusprechen. Seit einigen Jahren standen sie mit der Buchautorin in Kontakt. So auch Ian Fuld, der Enkel von Rosa und Joseph Fuld. Maria Meurer habe „harte Arbeit, Hingabe und Liebe“ in ihr 560-seitiges Buch gesteckt. Tatkräftig unterstützt wurde sie von Burkhard Kniese, dem Meurer ihren besonderen Dank aussprach. Dessen Enkelin Laura Sow verlas einen Brief von Paulo Neuhaus aus Washington, die seinen letzten Besuch in Westerburg schilderte, bei dem sie auch Gräber ihrer Vorfahren auf dem jüdischen Friedhof fand.
  
Einzelne Schicksale erzählt
Stadtbürgermeister Janick Pape erinnerte an den Anschlag in Halle (Saale) am 9. Oktober und mahnte davor, dass Menschen aufgrund ihrer Religion oder Weltanschauung oder aufgrund der Tatsache, dass sie von anderen zu einer anderen Rasse gezählt werden, zum Ziel von Gewalttaten oder Verfolgung werden. „Das schien lange Zeit in unserem Land eine böser Erinnerung aus der Vergangenheit und umso schmerzlicher stehen wir nun vor den jüngsten Ereignissen“, so Pape. Durch das Erzählen der einzelnen Schicksale der ehemaligen Westerburger Juden würde das Grauen erfahrbar und aus dem Abstrakten gelöst. Es sei unsere Verpflichtung, um die Menschenrechte zu kämpfen und sich der menschenverachtenden Gräuel entgegenzustellen. Sein Dank galt Maria Meurer, die die Geschichte der ehemaligen Mitbürger erzählt, die plötzlich menschenverachtendem Hass ausgesetzt waren.  
 

Der stellvertretende Schulleiter Andreas Röhrig begrüßte alle Anwesenden im Namen der Schulleitung und ließ auch die Schülergruppe zu Wort kommen, die die Initiative für das Aufstellen der Stele an der ehemaligen Synagoge in der Westerburger Oberstadt gab. „Es gibt keinen, der lokalhistorisch so bewandert ist wie sie“, äußerte sich Röhrig in Bezug auf die umfangreichen Kenntnisse, die sich Maria Meurer mittels intensiver Recherche erarbeitet habe.  

Familiengeschichte ergänzt
Diese ging dann auch selbst darauf ein und gab zunächst zu: „Das war nicht mein Lebensziel“. Alles habe damit begonnen, dass sie im Jahre 2007 zur ehrenamtlichen Stadtarchivarin ernannt wurde und sie kurz darauf die ersten Kontakte mit ehemaligen Westerburger Juden und deren Nachfahren hatte. So sei es ihr wichtig geworden, den Massenmord an lokalen Geschichten deutlich zu machen. Einen herzlichen Dank sprach sie allen Personen aus, die sie über die Jahre hinweg gefördert und unterstützt haben. Mit Namen, Gesichtern und Geschichten konnte sie den Hinterbliebenen einen Teil ihrer Familiengeschichte liefern. Als Ort der Buchvorstellung habe sie sich bewusst für die BBS entschieden, die sich zudem Europa-Schule und Schule ohne Rassismus nenne. Nun las sie auch einige Passagen aus ihrem Buch vor. Dabei erinnerte sie an Hans Rosenberg sowie an das Schicksal der Familie Schaumburger, nach dessen Sohn Rolf Simon, der im Alter von acht Jahren im KZ Auschwitz vergast wurde, die ehemalige Hauptschule in Westerburg benannt worden war. 
 

In seiner Laudatio hob Landtagspräsident Hendrik Hering hervor, dass Maria Meurer mit ihrem Buch ein ganz wichtiges Werk des Erinnerns geschaffen habe. Sie habe mit Elan, Engagement und Begeisterung an der Sache gearbeitet und es darüber hinaus auch ermöglicht, dass sich die Nachfahren kennenlernen und austauschen können. „Wir müssen heute aus der Geschichte lernen und mutiger und entschlossener werden“, so Hering. 

Für einen passenden musikalischen Rahmen sorgten die Mezzosopranistin Edda Sevenich unter Klavierbegleitung durch den ehemaligen Gymnasiallehrer Reinhard Strauch. Im Anschluss gab es noch Gelegenheit für Gespräche. Für Snacks und erfrischende Getränke hatte das Kulturreferat der VG Westerburg gesorgt.  

 
 

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